Meine erste Veröffentlichung im Werkstattbericht Kreatives Schreiben des Kompetenzzentrums der Universität Siegen, herausgegeben von Prof. Dr. phil. Roland E. Koch, war in 2010. Der Beitrag „Jacke und Leonhard“ thematisiert die Beziehung zwischen einem Großvater und seinem Enkel, die beide auf ihre eigene Weise mit tiefverwurzeltem Rassismus kämpfen – der Großvater mit seinem eigenen, der Junge mit dem seiner Mitmenschen.
Auszug aus dem fragmentarischen Erzähltext
LEONHARD
Wie soll man denn sonst sagen?
Er soll vorsichtig sein. Das hat er dem Burschen immer gesagt. Und jetzt sowas… Früher (…), da wäre so was gar nicht gegangen. Ach Gott, da hätte er Prügel bekommen, wenn er selber so was gemacht hätte. Prügel hätte er bekommen, dass er drei Tage lang nicht mehr sitzen kann! Schlimm war das, ganz schlimm.
Er weiß noch, ganz genau, damals sollten sie Baumstämme abschlagen und ins Lager bringen, junge Burschen waren sie damals. Beim Baumabschlagen war immer einer dabei, der hat aufgepasst, dass sie das richtig machen. Aber auf dem Heimweg war keiner dabei. Deswegen haben sie die Stämme immer in einen Graben geworfen, dann mussten sie nicht so viel schleppen. Gemerkt hat das keiner, die hatten ja viel zu tun. Ach Gott, ach Gott. Wenn das einer entdeckt hätte, oh weia! Da hätten sie Prügel bekommen, alle miteinander.
Der Bursche muss aufpassen, mehr als die andern. (…) Jaja, den Namen soll er sagen, das weiß er schon. Nur, wie kann man dem Burschen so einen Namen geben? Da hat sie ein bisschen gesponnen, die Katharina. Wie kann man einen Burschen Jacke nennen? Das versteht er nicht, das begreift er einfach nicht. Jacke, so heißt doch keiner.
JAKE
Ja, keine Ahnung!
Warum er das gemacht hat, weiß er nicht mehr. Er kann das nicht erklären. Es tut ihm auch Leid. Besoffen war er, weil sein Kumpel Michael zwei Flaschen Wodka mitgebracht hat. Und dann, als der Jörg mit seinen Leuten zum Wirt gekommen ist, da war er voll. Ja und dann, dann hat der Jörg das eine Wort gesagt. Hurensohn, hat er gesagt. Und da ist es dann passiert. Das kann er nicht hören, Hurensohn. Ja, keine Ahnung! Er weiß nicht, wieso. Da hat er zugeschlagen, mitten in Jörgs Gesicht. Die Nase hat er ihm gebrochen. (…)

Hinterlasse einen Kommentar